Strommarkt-Symposium

2019
 

Tipps und Hintergründe für die Lieferantenbewertung und die Energiebeschaffung

Ganz sicher: In Zeiten steigender Energiepreise wird zunächst reflexartig auf den angebotenen Energielieferpreis geschaut. Doch zu einer Bewertung gehört nicht nur der reine Preisvergleich der Anbieter. Besonders schon deswegen nicht, weil der Anfragezeitpunkt erheblichen Einfluss auf die Preisgestaltung aller Bieter hat. Und nicht zuletzt durch die zunehmende Anzahl an Insolvenzen (zuletzt DEG Ende Dezember 2018) oder auch der mancherorts zu beobachtende „unerwartete“ Ausstieg aus dem Geschäftskunden-Segment ist auch das Kontrahenten-Risiko in den Fokus gerückt. 


Im Wesentlichen müssen sich die verantwortlichen Einkäufer die folgenden Fragestellungen beantworten:

  • Sind wir uns über den angestrebten Chancen-/Risikomix anhand unseres Energieprofils im Klaren und haben wir uns für das entsprechend geeignete Beschaffungsmodell festgelegt?
  • Wann ist der geeignete Zeitpunkt / Marktlage für eine Energiebeschaffung gegeben?
  • Welche Anforderungen stellen wir an die Solvenz und Strategie des zukünftigen Lieferanten?


Und wenn es tatsächlich um ganz konkrete Entscheidungen zu einem Stichtag geht:

  • Welche (möglicherweise versteckten) Risiken sind im Energieliefervertrag enthalten?
  • Wieviel „Luft“ steckt noch in dem angebotenen Aufschlag / Marge des Bieters?
  • Können wir auch organisatorisch eine kurzfristige Entscheidung herbeiführen?


Es geht also um weit mehr, also nur den Vergleich von Arbeitspreisen. Häufig genug sind sich Nachfrager nicht bewusst, wie sie bereits in der Beschaffungsplanung das Endergebnis positiv beeinflussen können. Beispielsweise durch eine modifizierte Prognose des Energieverbrauchs für den angefragten Zeitraum (häufig werden ansonsten durch den Bieter die Lastdaten vergangenen Zeiträume lediglich für die Zukunft ausgerollt und bewertet). Also bspw. die Ergebnisse von zwischenzeitlich durchgeführten Energieeffizienzmaßnahmen oder geänderte Arbeitspläne / Schicht-Systeme in den Prognoselastgang einzuarbeiten.

Hat man einen geeigneten Prognoselastgang entwickelt, bietet sich im nächsten Schritt die Überprüfung auf Eignung verschiedener Beschaffungsmodelle im Rahmen der gewählten Risiko-/Chancen-Strategie an. Beispielsweise ob tatsächlich ein Tranchenmodell geeignet ist oder ob und wenn ja wieviel Spotmarkt-Anteile an der Beschaffung positive wirtschaftliche Effekte versprechen. 

Ein anderes probates Mittel – insbesondere bei Festpreis-Angeboten - ist die stichtagsbezogene Überprüfung der angebotenen Arbeitspreise mit einer eigenen Preisvorwärtskurve, einer sog. hpfc. Diese erlaubt unter Berücksichtigung von Terminmarkt-Preisnotierungen sowie historischen Spotmarktentwicklungen eine verbrauchsgewichtete Analyse des angebotenen Preises mit arbitragefreien Preisinformationen. Mit anderen Worten erkennt der Einkäufer, ob und wenn ja wieviel Luft noch im Angebotspreis steckt. Denn auch bei Angeboten, die deutlich unter Marktpreis liegen ist Vorsicht geboten. So hat der Einkauf die Chance, mit Waffengleichheit und dem sprichwörtlich offenen Visier in den Last-Call zu gehen.


Diese und viele weiteren Themen sind Inhalt des 2. Strommarkt-Symposium Risikomanagement & Beschaffung am 26.06.2019 in Steinfurt. Das Intensiv-Seminar richtet sich an Verantwortliche aus dem (Energie-) Einkauf, dem Energiemanagement sowie kfm. bzw. techn. Fach- und Führungskräfte.